Home sweet home

Vor zwei Monaten endete mein Jahr in Ecuador. Ich stieg nach der Verabschiedung von meine ecuadorischen und deutschen Freunden am anderen Ende der Welt in den Flieger und wurde nach 24 Stunden von meiner Familie am Düsseldorfer Flughafen empfangen. Meine Familie wiederzusehen und zu wissen, dass ich wieder zu Hause bin, war ein unbeschreiblich tolles Gefühl. Voller Freude fuhren wir nach Hause, wo mich unser Hund bellend begrüßte. Zusammen mit zwei Überraschungsgästen, Leonie und Felix, die mich in Ecuador besucht hatten, feierten wir meinen Geburtstag nach und hatten einen lustigen Abend mit vielen Anekdoten aus Ecuador.

Die nächsten Wochen waren geprägt von Besuchen, Verabredungen und Ausflügen. Es war ein wahres Chaos, die Verabredungen alle zu koordinieren und mit den unterschiedlichen Gefühlen, die meine Rückkehr auslösten, klarzukommen. Der häufig angepriesene “Reversed Kulturschock” blieb bei mir aus, schließlich kam ich in eine Umgebung, die ich schon jahrelang kannte und mein Zuhause nenne. Doch das Verhältnis wie ich mich in dem ganzen Zusammenhang sah, hatte sich verändert. Alles fühlte sich vertraut und normal an, aber dennoch hatte ich das Gefühl nicht mehr ganz in meinen Alltag und mein altes Leben vor Ecuador reinzupassen.

Wenn ich mich mit anderen unterhielt, war die meist gestellte Frage: Wie war dein Jahr? So ein Jahr lässt sich schwer in wenige Worte fassen, (wie die meisten Menschen eine Antwort erwarten). Mein Jahr in Ecuador war aufregend … und anders … und spannend und lustig und abenteuerlich und herausfordernd und schön und manchmal ziemlich hart. Meine vier Mitfreiwilligen und ich hatten dort ein ganzes Leben, eine Arbeit, ein Zuhause, einen Alltag. Es war nicht nur eine Reise. Es gab Höhen und Tiefen und immer uns fünf, die mit allem fertig geworden sind, Erfahrungen und Erlebnisse geteilt haben und sehr viel Spaß miteinander hatten.

Ich habe große Naturwunder wie zum Bespiel den Regenwald in Cuyabeno oder den Tayrona Nationalpark in Kolumbien, Galapagos und die Vulkane in den Anden gesehen. Auf dem Markt konnte ich exotische Früchte wie Naranjilla, Guyaba, Kaktusfrüchte und Taxo probieren. Ich habe großartige Menschen kennen gelernt. Alegria und Pedro, die zu meinen Gasteltern geworden sind, und die Kinder in meinen Projekten, die mich sofort ins Herz geschlossen haben. Das ganze Jahr war eine Herausforderung für mich und ich habe ständig meine Grenzen überschritten, besonders bei den Bergbesteigungen auf 5000 Meter Höhe und meinem Gleitschirmflug in Kolumbien.
Durch die völlig andere Gesellschaftsstruktur und Kultur habe ich andere Seiten des Lebens kennengelernt und konnte durch meine Arbeit auf dem indigenen Markt in San Roque, sowie der Besichtigung eines Tempels am Vulkankrater Pululahua und der Inkastadt Machu Picchu, die tiefgreifende Tradition besser verstehen.

Rückblickend fühlt es sich wie ein anderes Leben an. Trotzdem hat sich insgesamt mein Blick für Gerechtigkeit und Achtsamkeit geschärft.

Auf dem Rückkehrerseminar kam ich zum Nachdenken und zur Reflexion des vergangenen Jahres und weiß, wie viel Glück ich hatte, ein so schönes Jahr gehabt zu haben. Für mich war es die richtige Entscheidung.

Mittlerweile ist Ecuador gedanklich weit nach hinten gerückt, nur ab und zu überlege ich, wie ich etwas auf Spanisch sagen würde und wie es jetzt in Ecuador wäre.
Nicht nur gedanklich bin ich weitergezogen, denn ich lebe nun in Lübeck und studiere Medizin, was mir sehr gut gefällt. Meine nächste Herausforderung!

Vielen Dank an alle, die mich auf diesem Weg unterstützt haben!

Alles Gute,
Anna

 

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