Halbzeit

Mitte März hatte ich Halbzeit. Das heißt, ich bin schon ein halbes Jahr in Ecuador und meine Zeit hier geht zu Ende. Während ich in den Anfangsmonaten doch stark mit Heimweh zu kämpfen hatte und oft Gegebenheiten mit zu Hause verglichen habe, fühle ich mich jetzt richtig angekommen. Vielleicht hat auch der Umzug in das neue Haus, auch wenn es noch nicht fertig und Vieles provisorisch ist, dazu beigetragen, dass ich mich heimischer fühle.

Vorher hatte ich eine Erwartungshaltung, dass alles „besser“ werden wird, wenn wir erst umgezogen sind. Diese Erwartungs- und Hoffnungshaltung hat sich jetzt verflüchtigt, denn ich fühle mich wohl, so wie es gerade ist. Ich habe gemerkt, dass ich vieles gar nicht brauche, um mich gut zu fühlen. Besonders das Zwischenseminar und die Peru-Reise haben meinen Blick auf die Dinge verändert. Durch die Erfahrung von „Extremsituationen“ hat sich mein Fokus verändert und ich gebe mich mit weniger zufrieden, egal ob es um Lebensumstände, Arbeitsverhältnisse oder zwischenmenschliche Beziehungen geht. Das ist eine angenehme Feststellung, da ich so viel freier, toleranter und zufriedener bin. Ich glaube, dass das bisher meine größte Errungenschaft ist, die ich hier machen konnte. Die Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen und Regeln, wie man sie aus Deutschland kennt, von Luxusbedürfnissen, die man für essentiell erachtet hat, und die Fokussierung auf das eigene Wohlbefinden und die zwischenmenschlichen Beziehungen. Das ist genau das, was wir Freiwillige von dieser Gesellschaft und den Menschen hier lernen können: die Gastfreundlichkeit, die gegenseitige Unterstützung in allen Belangen und die Offenheit. Diese gewonnenen Erkenntnisse lassen mich unerschrockener und selbstbewusster auf Menschen zugehen und mit Situationen zurechtkommen.

Das Zwischenseminar und die Peru-Reise stellen nicht nur für mich persönlich und in meinem Denken einen Wendepunkt dar, sondern auch für meine Arbeit bei CENIT.
Vor Weihnachten und Peru herrschte bei mir wenig Motivation. Durchbrochen wurde mein Demotivationsgebirge durch Lösungsansätze, die ich im Seminar kennenlernte, durch den Mut, den ich zugesprochen bekam und dadurch, dass andere mit ähnlichen oder schlimmeren Problemen zu kämpfen hatten. Nach der Reise bereitete ich mich jedenfalls auf einen Neuanfang vor, denn ich hatte neue Motivation und eine neue Aufgabe gefunden.

Bergfest:

Ich wünsche allen ein schönes Osterfest!

Liebe Grüße,
Anna

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