Osterspektakel

Ostern wird in Ecuador mit der Semana Santa, der heiligen Woche, eingeleitet, die von Palmsonntag bis Ostersonntag geht.
Als wir Palmsonntag durch das Centro histórico schlenderten, wurden an jeder Ecke Palmwedel und -sträuße angeboten. Alle Kirchen waren aufwendig geschmückt und wir waren so ziemlich die einzigen, die nicht so einen Strauß in der Hand hielten.
Montagsmorgen bei CENIT gab es eine heilige Messe mit allen Schülern und Lehrern und Freiwilligen. Die nächsten Morgen empfanden wir Jesus Leidensweg in fünfzehn verschiedenen Stationen nach, gleich dem Via dolerosa in Jerusalem.
Gründonnerstag schloss wieder eine Messe die Semana Santa in CENIT ab.

Für mich begannen Donnerstagsabend die Feierlichkeiten. Wir hatten nämlich unsere ecuadorianischen Freunde zu einem Abendessen in dem neuen Haus eingeladen. Es gab zweierlei Quiche eine mit Zucchini und Zwiebeln und eine mit Brokkoli für mich. Dazu servierten wir Salat. Unsere Gäste brachten Wein und das Dessert mit. Das ganze Essen war köstlich und wir amüsierten uns prächtig. Wir tauschten uns über die verschiedenen Ostertraditionen aus und wurden für Karfreitag zum tradionellen Familienfest mit Fanesca-Essen eingeladen. „Fanesca“ ist eine nur für Ecuador typischen Suppe, die auch nur zu Ostern zubereitet wird. Sie bessteht klassisch aus zwölf verschiedenen Bohnen, die symbolisch für die zwölf Apostel stehen, sowie den getrockneten Fisch „Bacalao“, der, im übertragenen Sinne, Jesus verkörpert.
Bevor wir der Einladung zum Essen nachkamen, schauten wir uns die Karfreitags-Prozession „Procesión Jesús del Gran Poder” an, die 3,5 Km lang mitten durch das Centro histórico führte.
Der Marsch stellt die letzten Tage Jesu’ auf der Erde dar und beinhaltet viele religiöse Figuren. Die meisten Teilnehmer waren als „Cucuruchos“ gekleidet mit langen, lilanen Büßgewändern und auf dem Kopf Schultütenähnliche Hüte trugen, die auch das Gesicht verdeckten. Diese besondere Vermummung, erinnerte stark an die Kostümierung des Ku Klux Klans. Neben den Cucuruchos konnte man auch eine ganze Menge als Jesus verkleidete Männer, inklusive Dornenkronen, Eisenketten und überdimensionalen Holzkreuzen, die sie teilweise alleine nicht tragen konnten, betrachten. Viele der Menschen hatten schmerzverzerrte Gesichter, während sie sich barfuß in der prallen Sonne die steilen Straßen hinauf quälten. So kamen sie ihrem Ziel, das Martyrium Christi nachzuempfinden, sehr nah. Um noch mehr zu leiden, hatten sich einige Brennnesseln auf den Rücken gebunden und andere peitschten sich mit diesen aus.
Nach dem Besuch der Prozession stärkten wir uns mit der Suppe und genossen die schöne Gesellschaft auf dem Familienfest.

Ostersonntag machten Elena und ich uns ein schönes Osterfrühstück und danach versteckten wir uns gegenseitig Kleinigkeiten, sodass wir der schönen Tradition der Ostersuche nachgehen konnten. Besonders freuten wir uns über die mitgebrachten Oserhasen von Pauls Eltern, die über Ostern in Quito zu Besuch waren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.