Winterurlaub am Chimborazo

Wenn es eins in Quito nicht gibt, dann sind es Jahreszeiten! Seit meiner Ankunft hier herrscht dasselbe Wetter mit mal mehr oder weniger Regen. Darum haben wir uns unglaublich gefreut, als wir unverhofft unseren Winter nachholen konnten:

Zehn Mann, unsere ecuadorianischen Freunden Pedro und Alegria, Alegrias Schwester und ihr Sohn, Idas Mama und wir fünf Freiwillige, kamen bei Pedros Bruder in Riobamba unter. Geplant war es, den Chimborazo, den Berg, dessen Spitze, der der Sonne am nächstgelegene Punkt der Welt ist, zu besteigen.  Mit einer Sichtweite von fünf Metern, schon auf 4000m Höhe, entschlossen wir es diese aussichtslose Besteigung gar nicht erst zu versuchen. Stattdessen fuhren wir durch die wunderschöne Vulkanlandschaft, die in “Auenland” anmutende Hügel überging, zu unserem neuen Ziel, der Kleinstadt Salinas, die ihren Namen der Salzmine verdankt.

Das Wunder geschah auf dem Rückweg. Während es tiefer im Tal wie aus Eimern schüttete, hatte es auf dem Chimborazo geschneit. Wir konnten es uns natürlich nicht nehmen lassen, im Schnee herum zu toben und den glitzernden Sonnenuntergang in der Winterlandschaft zu genießen. Durchgefroren und nass ging es zum Haus zurück.

Schneetollerei

Am nächsten Morgen hieß es um fünf Uhr aufstehen – anziehen – losfahren. Die gefährlichste Zugfahrt der Welt stand auf dem Plan. Schlaftrunken bekam ich von der etwa anderthalb stündigen Fahrt nach Alausí nicht viel mit. Angekommen am Bahnhof gab es erst einmal Frühstück: heiße Schokolade, Empanadas, Rührei und Saft belebten die Sinne, sodass wir fertig für die Zugfahrt waren. Mit etwa 12km/h ging es durch die Stadt, vorbei an bunten Häusern, die schließlich Feldern an grünen Berghängen wichen. Es folgten grüne Täler, tiefe Schluchten mit plätschernden Bächen und vielen Weiden. Als wir zur Nariz del Diabolo kamen, die der Zug leiterartig herunterkletterte, wurde uns klar, warum dies die gefährlichste Zugstrecke der Welt ist. Der Höhenunterschied zwischen der Anfangs- und Endstation beträgt 1054m, sodass ein spezielles Weichensystem entwickelt wurde, das dem Lokführer ermöglicht, die Teufelsnase im Zickzack hinauf und hinunter zu manövrieren, um die steilen Berghänge und den Höhenunterschied zu bewältigen. Aus dem Fenster sahen wir Zugbegleiter, die im Gleichtakt mit den Armen winkten, was den Lokführer unterstützen soll, damit der Zug nicht den Berg herunterfällt. Nach einer Fotopause und kurzem Aufenthalt im Bahnhof Sibambe mit Museumsbesuch und indigenen Tänzen, kletterte der Zug die Teufelsnase wieder hinauf.  Auf der Rückfahrt forderte das frühe Aufstehen seinen Tribut, sodass fast alle die beeindruckende Landschaft verschliefen.

Zum Abschluss des Kurzurlaubes besichtigten wir das historische Zentrum von Riobamba.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.