Die Schildkröten-Inseln

Endlich war es soweit! Meine Freunde Leonie und Felix landeten in Quito, um mich zu besuchen! Höhepunkt ihres Aufenthaltes war unser gemeinsamer Urlaub auf den Galapagos-Inseln. Als es schließlich losging, war die Erwartung groß und die Aufregung noch größer! Gespannt fieberten wir der Landung auf dem ecuadorianischen Archipel entgegen. Nach drei Stunden, einem Zwischenaufenthalt in Guayaquil und 1437 Flugkilometern, schlug uns beim Ausstieg aus dem Flugzeug eine warme Meeresbrise entgegen. Der Urlaub begann!
Mit dem Shuttle wurden wir zur Fähre gefahren, um von dort die Flughafeninsel zu verlassen und mit einem anderen Bus quer über Santa Cruz zur südlichen Spitze nach Puerto Ayora gebracht zu werden. Schnell war unser Hostel gefunden und wir machten uns auf zur Entdeckertour.

Durch das kleine Städtchen schlenderten wir zu Pfad, der uns zum Tortuga Bay führte. Nach einer halben Stunde durch die fremdartige Landschaft, die aus baumgroßen Kakteen bestand und vielen Bäumen, in denen sich die Darwinfinken zu Hause fühlten, kamen wir an einen breiten, großen, weißen Sandstrand, an dem sich türkisblaue Wellen brachen. Wir sahen zwar keine Schildkröten, doch dieser Anblick war wie aus dem Bilderbuch.

Den Abend haben wir am Hafen ausklingen lassen, wo wir kleine Weißspitzhaie beobachteten.

Der nächste Tag war vollgestopft mit Aktivitäten. Morgens vor der großen Hitze fuhren wir zur Schildkrötenranch im Landesinneren. Auf dieser Ranch kann man frei lebende Schildkröten betrachten. Es war faszinierend, diesen riesigen Reptilien beim Baden, Essen oder Laufen zu zusehen: erstaunlich schnell und stark trotz des großen, schweren Panzers. Wer ahnte schon das Schildkröten witzige Zischgeräusche von sich geben?
Es war sogar möglich in einen Schildkrötenpanzer hineinzuklettern.

Nach unzähligen Fotos mit Schildkröten in allen Größen und Positionen, besichtigten wir einen nahe gelegenen Lavatunnel. Diese kommen durch die hohe Fließgeschwindigkeit und Dünnflüssigkeit der Lava zu Stande, die an den Rändern und vor allem an der Oberfläche des Lavastroms zunächst erkaltet und dann erstarrt. Durch einen etwa 200 Meter langen Tunnel kletterten wir, erstaunt über dieses Naturphänomen, über Felsen und schoben uns über ein Brett durch einen 50cm hohen Spalt.

Im Anschluss an diese Erlebnisse besuchten wir das Charles Darwin Research Center. Hier gab es Lehrpfade zum Thema Umwelt, Darwin und Tierschutz der endemischen Arten und einen Saal, wo der präparierte Körper von Lonesome George, der 2012 als letzter der Pinta-Riesenschildkröten starb, ausgestellt war.

Nach ausgiebiger Mittagspause fuhren wir mit einem Wassertaxi zur anderen Seite der Bucht. Vorbei an Kakteen, Stränden und einer Salzgewinnungsanlage führte uns ein Wanderweg zu “Las Grietas”. Das ist eine Schlucht, in der man zwischen den Lavawänden schnorcheln kann und einige große Fische sieht.

Früh am nächsten Tag stiegen wir in die schauklige Fähre  zur Insel Isabela. Dort wurden wir von unzähligen Seelöwen begrüßt. Nach dem Einchecken und Mittagessen in einem winzigen Straßenrestaurant wanderten wir zu den nahe gelegenen Lagunen, in denen viele Flamingos leben. Über einen Steg ging es durch die ‚Poza de las Salinas‘ vorbei an den Leguanen, auch Iguanas genannt, die sich sonnten, zu der Schildkröten-Aufzuchtstation der Insel. Da die Riesenreptilien im Kindesalter viele Feinde haben, wird hier das Überleben der Arten sicher gestellt. Es war witzig mit anzusehen, wie die kleinen Schildkröten bei der Fütterung übereinander kletterten und purzelten.
Den restlichen Tag verbrachten wir faulenzend am Strand.

Der nächste Tag stand unter dem Motto schnorcheln. Ausgeschlafen ging es zu “Concha y Perla”, einer Bucht im Mangrovenwald. Seelöwen lagen schlafend auf dem Steg. Beim Schnorcheln konnte ich die ganze Unterwasserwelt bestaunen: unzählige Fische und sogar Seesterne. Fast wäre ich in einen schwimmenden Iguana hineingeschwommen.
Nachmittags machten wir die Tour “Los Tintoreras”, die mit dem Boot durch die Bahia führte. Sich sonnende Seelöwen, die berühmten Blaufußtölpel und sogar Galapagos-Pinguine konnten wir bestaunen. In einem Felsspalt entdeckten wir große Weißspitz-Riffhaie, einen Seelöwen, der mit einem Stein spielte, sowie eine Wasserschildkröte, die majestätisch durch das Wasser glitt. Wir wanderten über eine größere Felsformation, um die unzähligen Iguanas zu betrachten, bis wir Männchen und Weibchen unterscheiden konnten. Danach schnorchelten wir an einer Stelle, die mir etwas zu nah an den Haien war. Dennoch war es ein tolles Erlebnis, denn wir trafen die Wasserschildkröte wieder und konnten sie beim Fressen beobachten. Ich sah sogar einige Rochen, die aufgeschreckt von den Schnorchlern schnell das Weitte suchten. Als plötzlich ein Seelöwe unter mir auftauchte und mit großen Augen an mir vorbei schwamm, habe ich mich vor Schreck und Erstaunen fast am Wasser verschluckt. Der Seelöwe tobte ausgelassen um uns herum. Es war großartig!

Schon war unser Abenteuer auf der Insel Isabela vorbei und wir machten uns auf den Weg nach San Cristobal, der letzten Insel, die wir besuchten. Ich glaube, hier gibt es mehr Seelöwen als Einwohner. Alle Strände sind von Seelöwen belagert, sodass Menschen und Tiere sich den Platz teilen.

Für San Cristobal hatten wir eine 360°Grad-Tour, einmal um die Insel, geplant. Am nächsten Morgen in aller Frühe lief unser Boot aus. Nach einer Stunde Bootsfahrt erreichten wir unserer erstes Ziel: strahlendweiße Strände. Mit Schnorcheln und Wanderschuhen wateten wir an den Strand und wanderten zunächst über die felsige Küste zu einer Bucht. Dort schnorchelten wir etwa eine Stunde mit unterschiedlichsten großen, kleinen, gelben, blauen, grünen und gestreiften Fischen. Wasserschildkröten und Seelöwen durften wir auch diesmal wieder bestaunen. Nach diesem ausgiebigen Schnorchelgang wanderten wir ein Stück zurück zu einer Lagune, die nur bei Flut mit Meerwasser gespeist wird. In der Lagune befanden sich ein Seelöwe und mindestens sechs ausgewachsene Weißspitz-Riffhaie. Todesmutig ging ich schließlich doch als letzte ins Wasser, da bis dahin noch keiner gefressen worden war.
Weiter ging es nach diesem nervenaufreibenden Erlebnis zu erstaunlichen Felsformationen, auf denen unzählige Küstenvögel lebten. Die Fregattenvögel mit ihrer roten Brust waren am leichtesten zu erkennen. Wir konnten auch einen Blaufußtölpel bei einem Tauchgang beobachten und eine vorbeischwimmende Rochenfamilie bestaunen.
Später schnorchelten wir noch an einem kleineren Strand, wo das Wasser allerdings so kalt war, dass ich trotz Wetsuit schnell fror. Dann ging es auch schon zur letzten Station. Am Roca León Dormido (Kicker Rock) hieß es dann: auf ins eiskalte, schwarze Wasser zu den Hammerhaien! Einige Überwindung kostete es mich schon, dort hinein zu springen. Wir schwammen in einen Spalt, der zwischen den Felsen hindurch führte. Es waren unzählige Fische zu sehen, die quasi im Wasser standen. Schnell wurde klar, warum dies so aussah, denn die Strömung war so stark, dass unser Guide sofort den Rückzug befahl. Es war nur möglich beim Ablaufen der Wellen zu schwimmen, da diese so eine Wucht hatten. Danach schwammen wir einmal um den Felsen herum. Stets ins ungewisse Blaue zuschauen, war etwas gruselig, doch der Fels gab einem etwas Sicherheit. Die Tier- und Pflanzenwelt war ganz erstaunlich. Neben vielen kleinen Fischen, sahen wir wieder Schildkröten, Haie und Korallen.

Mit diesem mehr als spannendem Abenteuer endete unsere atemberaubende Entdeckerreise in Galapagos!

 

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