… dann das Vergnügen

Unser Kurzurlaub zwischen Weihnachten und Silvester:

Die zwei Weihnachtstage verbrachten wir gemütlich in unserer Wohnung, während es draußen wie aus Eimern schüttete. Am Abend des 26. Dezembers packten Valentina, Elena und ich unsere Rucksäcke und fuhren nach Quitumbe, um von dort den Bus nach Puerto Lopez an die Küste zu nehmen. Die anderen würden am nächsten Abend nachkommen. Nach neunstündiger Fahrt kamen wir völlig erschöpft um 3:00 Uhr am außerhalb gelegenen Busbahnhof in Puerto Lopez an. Da wir kein Hostel gebucht hatten, entschieden wir uns auf die Dämmerung zu warten, bevor wir uns auf den Weg in die Stadt machen würden. Zu unserem Glück erschien bald ein Touristenführer, der gestrandete Reisende wie uns eine Unterkunft besorgt. Wir kamen in einem kleinen, schönen Hostel unter, das genau unseren Wünschen entsprach und durften das Zimmer sogleich beziehen, um die letzten Stunden der Nacht zu genießen. Vorher buchten wir noch ein Touristen-Weihnachtsspecial-Angebot, das unsere Tage in Puerto Lopez mit Aktivitäten fühlte.

Nach einem kurzen, doch erholsamen Schlaf fuhr uns ein Taxi in den nahe gelegenen Machallila-Nationalpark, in dem der berühmte Strand Los Frailes liegt. Trotz vergessener Ausweise konnten wir die Aufseher überzeugen, uns einzulassen. Über einen Rundweg konnte man das ganze Gebiet rund um den Strand erkunden. Durch trockenes Gebüsch und riesige Kakteen ging es den sandigen Pfad entlang zum ersten Aussichtspunkt. Eidechsen huschten raschelnd durchs Gebüsch, wenn wir vorbei wanderten.

Es war unglaublich heiß und trotz Sonnencreme hatte ich die Befürchtung zu verbrennen. Verschwitzt und erhitzt kamen wir an den ersten kleinen versteckten Strand. Das Wasser hatte eine erfrischende blaue Farbe, sodass wir uns ein schattiges Plätzchen an einem Felsen für unsere Habseligkeiten suchten und ins Meer zum Abkühlen sprangen. Nach ausführlichem Schwimmen und anschließendem Sonnen beschlossen wir weiterzugehen, da immer mehr Besucher den Strand fanden.

Schnell kamen wir zu einem weiteren Strand, dem ein Felsen vorgelagert war.

Weiter ging es den Pfad entlang durch das Dickicht und die Kakteen, der uns an einen dritten Strand führte. Hier brachen sich die Wellen besonders stark, da unter Wasser viele große Felspatten waren.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Strandes führte der Weg weiter und hoch zu einem Aussichtsturm. Von dort hatte man Ausblick auf die Buchten rechts und links des Felsens, auf welchem der Ausguck thronte.

Von dort ging es hinab zu dem berühmten Strand Los Frailes. Dieser war um einiges mehr besucht, doch fanden wir etwas entfernt an einem Felsen einen Schattenplatz, wo wir den Rest des Tages verbrachten.

 

Am nächsten Tag fuhren wir zusammen mit den frisch angekommenen Nachzüglern mit einem Ausflugsboot zur Isla Salango. Auf dem Weg konnten wir verschiedene Felsformationen entdecken: einer zeigte einen Affen und ein anderer eine Schildkröte. An vielen Felsen waren die Blaufußtölpel zu sehen, ein an Ecuadors Küsten beheimateter Vogel, der tatsächlich hellblaue Füße hat. Sein Artgenosse mit roten Füßen kommt nur in Galapagos vor.
Vor der Insel gingen wir schnorcheln, um die Unterwasserwelt Ecuadors zu entdecken. Ich konnte blau-gelb gestreifte und rot-graue Fische, sowie einige Korallen an den Felsen beobachten. Zum Aufwärmen und Trocknen legten wir uns auf das vordere Deck. Dort blieben wir auch, als das Boot in Richtung offenes Meer steuerte. Durch die Wellen wurden wir hin und her geschüttelt und von oben bis unten nass. An einem weiteren Felsen angekommen, machte der Guide uns auf einen Seewolf aufmerksam, der in der Sonne lag. Einen weiteren entdeckten wir im Wasser. Unglaublich, diese Tiere so nah in der Freiheit zu sehen!

Der Tag endete mit gegrillten Garnelen in einem kleinen Restaurant.

Am nächsten Morgen stiegen wir in den Bus Richtung Montanita, dem Ballermann von Ecuador. Ein Abstecher ins gemütliche Ayampe, wo wir den Tag am Strand verbrachten, sollte uns auf den Trubel in Montanita vorbereiten. Pulsierendes Leben, aufgestaute Energien und laute Musik empfingen uns in der Partystadt. Unendlich viele Restaurants, Bars, Straßenstände, Discotheken und Souvenirläden warben um unsere Aufmerksamkeit, als wir die Straßen auf der Suche nach einem Hostel entlang schlenderten. Jedes Haus war außergewöhnlicher als das andere, jedes konnte mit einer Besonderheit aufwarten: ob Baustellen- und Dschungeloptik, ultraschick oder altes Ägypten. Schließlich kamen wir in einem einfachen, etwas unbequemen, aber günstigen Hostel unter.  Den Abend verbrachten wir mit Burgern, Cocktails und Crepes am Strand, wo wir den Sonnenuntergang genossen. Am nächsten Morgen, nachdem wir das Hostel verlassenen hatten, machten Valentina, Elena und ich einen langen Strandspaziergang an der Promenade entlang, bis wir zu einem ruhigeren Abschnitt kamen, der breit genug war, um nicht so stark von Gezeiten beeinflusst zu werden. Zwischen den Krebsen breiteten wir unsere Handtücher aus und legten uns für die letzte Stunde unseres Urlaubs in die Sonne. Zu schnell mussten wir wieder aufbrechen, um mit dem Bus nach Quito zurückzufahren. Früh am Morgen kamen wir im strömenden Regen von Quito an und fielen gegen 5:00 Uhr todmüde ins Bett. So schnell war unser Kurzurlaub zwischen Weihnachten und Silvester vorüber.

 

Bis bald,

eure Anna

Erst der Spaß…

Frohes neues Jahr! Feliz ano nuevo!

Weihnachten in Ecuador

Weihnachten begann in unserer WG mit einem leckeren Weihnachtsfrühstück mit Pancakes und frischem Obst. Zeitgleich kamen auch die ersten Weihnachtsgrüße aus Deutschland an und wir versendeten unsere digitalen Weihnachtsgeschenke an unsere Familien und Freunde. Danach versuchte jeder mit seiner Familie zu telefonieren, was bei mäßiger Internetverbindung durchaus schwierig war und doch etwas Heimweh bescherte.

Am Heiligen Abend fuhren wir dann zu einer befreundeten ecuadorianischen Familie, die uns zu ihrem Familienweihnachtsfest eingeladen hatte und uns mit heißem Glühwein empfing. Zusammen mit etwa 15 weiteren Familienmitgliedern und Freunden feierten wir dann die letzte Novena. Es ist eine ecuadorianische Tradition an den neun Tagen vor Heilig Abend kleine Andachten im Freundes- oder Familienkreis abzuhalten, die sich auf die neun Monate vor Jesu Geburt beziehen. Nach den Gebeten begaben wir uns zur Festtafel und genossen das köstliche Festessen. Es gab Truthahnrouladen gefüllt mit Äpfel, Paprika und Zwiebel, verschiedene Salate und Rosmarinkartoffeln. Dazu wurde Weiß- oder Rotwein gereicht. Zum Nachtisch konnte man sich an traditionellem Gebäck mit Honig, zweierlei Kuchen oder einem Stuten mit Früchten gütlich tun. Es war unglaublich köstlich und in dem Kreise dieser netten Menschen kam zum ersten Mal Weihnachtsstimmung auf und vertrieb die Melancholie des Nachmittags.

Völlig unerwartet bekamen wir bei der Bescherung um 24:00 Uhr eine Kleinigkeit geschenkt, was mich unglaublich freute. Unser Geschenk an unsere Gastgeber wurde auch mit Freude empfangen. Mit lauter Musik und Tanz klang der Abend aus.

 

Silvester in Quito

Um 18:00 Neujahrwünsche zu bekommen und zu wissen, dass alle Freunde nach leckerem Essen zusammen ins neue Jahr feiern, traf mich doch härter als ich ahnte. Auf Weihnachten hatte ich mich vorbereitet, doch an Silvester hatte keiner von uns erwartet, dass es Heimweh hervorrufen würde. So saßen wir um 18:00 etwas geknickt zusammen und hatten keine richtige Lust mehr aufs Feiern. Doch wir waren mit unserer venezolanischen Mitbewohnerin verabredet, sodass wir uns aufrafften und sogar hübsch machten. Gemeinsam bereiteten wir mit lauter Musik die Empanadas, zwei Salate und Applecrumble zu. Nach dem wir zu sechst etwa 40 Empanadas und zwei Salate verdrückt hatten, konnten wir uns nicht mehr bewegen. Auch der Absacker half nicht! In einer Schüssel verbrannten wir unsere Neujahrswünsche und gingen dann mit Regenjacke, Regenschirm und Sektflasche bewaffnet in den kalten Regen hinaus auf die Straße. Trotz des Regens verbrannten die Quitener ihre selbst gebastelten Puppen, die das alte Jahr symbolisieren. Mit viel Spiritus gingen die meisten in Flammen auf, sodass man in jeder Straße viele Feuer vor den Häusern sehen konnte. Ein positiver Nebeneffekt des Feuers war die willkommene Wärme!
An einer Straßenecke feierten wir ins neue Jahr hinein und begossen es mit unglaublich süßem Sekt.
Wieder im Trockenem angekommen, genossen wir den Applecrumble mit Vanille- und Schokoladeneis. Vollgefressen und zufrieden fielen wir in unsere Betten!

Bis zum nächsten Mal,
eure Anna

Advent mal anders

Von Anfang an war klar, dass diese Weihnachtszeit anders werden würde, doch diese Adventszeit ist so außergewöhnlich, wie ich sie noch nie erlebt habe.

Während in Deutschland der Schnee fällt, auf Weihnachtsmärkten Glühwein getrunken wird und Plätzchenduft in der Luft liegt, herrschen hier sommerliche Temperaturen.
Weihnachtsstimmung in Ecuador bedeutet, schrill leuchtende Lichterketten, Plastikbäume und Lametta in allen Farben des Regenbogens.
Um ein wenig Weihnachtstradition zu erhalten, haben wir ein Adventsbrett gebastelt. Für die Kinder von CENIT habe ich einen Adventskalender gebastelt, da es sowas hier nicht gibt.

Am 6.Dezember, am Nikolaustag, wird hier Fiestas de Quito gefeiert: Ein riesiges Stadtfest zu Ehren der Gründung Quitos, das schon eine Woche vorher beginnt und seinen Höhepunkt am Vorabend des 6. Dezembers hat. Im Rahmen dessen waren wir auf einem Openair-Konzert von Juanes, von dem ich bis dahin nur das Lied “Tengo un camisa negra” kannte.

In CENIT haben wir unser eigenes Quito-Fest gefeiert: morgens die Kinder, nachmittags die Mitarbeiter. Stolz habe ich meinen Schützlingen beim Tanzen zugeschaut und anschließend geholfen Salchipapa (Fritten und Würstchen) zuzubereiten. Danach wurde mit Tanz, traditionellen ecuadorianischen Spielen und Canelazo (alkoholischen Nationalgetränk) gefeiert.

 

Nach den Fiestas ermöglichte uns ein Erdrutsch, der die Hauptwasserleitung von Quito zerstörte und zur Schließung aller Schulen und Bildungseinrichtungen führte, ein spontanes verlängertes Wochenende am Strand. Nachdem wir morgens die Nachricht über unsere freien Tage erhalten hatten, packten wir unsere Sachen und stiegen in den Bus nach Mompiche.
Mompiche ist ein entspanntes verschlafenes Fischerdorf, in dem die meisten barfuß auf den sandigen Straßen entlang liefen. Wir folgten dem Strand bis zum Playa Negra und tobten dort in den Wellen.

Abends fuhren wir weiter nach Casa blanca, um dort die letzten Tage mit einer befreundeten Familie zu verbringen. Casa blanca ist quasi die Cote d‘Azur von Ecuador. Dort haben wir auch typische Gerichte der ecuadorianischen Küste probiert.

 

Bei insgesamt acht Weihnachtsfesten mit Krippenspiel, Andachten, Prozession und karnevalistischem Partyflair habe ich mir nicht nur einmal einen Sonnenbrand geholt. Ich war völlig überwältigt, mit welcher Freude die Kinder ihre Geschenke entgegen genommen haben. Ein Mädchen ist vor Glück auf und ab gehüpft, als sie ein Paar Socken in ihrer Geschenktüte entdeckte. Das war für mich der schönste Weihnachtsmoment.

 

Jetzt bin ich gespannt, wie mein Weihnachtsfest werden wird!

Ich wünsche euch allen FELIZ NAVIDAD y FELIZ AÑO NUEVO!

 

Eure Anna

Der Alltag kehrt ein

Nach gut zwei Monaten kann ich sagen, dass ich mich eingelebt habe. Ich fühle mich als ein Teil der Stadt und nicht als Tourist, der nur vorrübergehend hier ist. Ich werde wahrscheinlich nie der begeisterte Stadtmensch werden, doch Quito wird kleiner, je mehr Orte und Menschen ich kennenlerne. Obwohl es immer noch anders ist als zu Hause, wird alles zur Normalität. Der Alltag kehrt ein!

In meinen ersten Tagen traute ich mich nicht alleine auf die Straße und sah in jedem Menschen einen potenziellen Dieb, soviel Angst wurde uns im Vorhinein gemacht: Geht nicht auf die Straße, wenn es dunkel ist! Es gibt viele, die gerne Ausländer ausrauben! Nehmt nie Wertgegenstände mit! Dass man sich anpasst und sich besonders auf den Märkten nicht touristisch verhalten sollte, ist klar. Abends gehen wir in Gruppen auf die Straße und nehmen uns bei längeren Strecken ein Taxi. Wertsachen trage ich immer ganz nah am Körper, sodass man nicht sieht, was ich dabei habe. Taschen und Rucksäcke nehme ich nicht mit auf Märkte, sondern nur meinen Leinenbeutel.

Wie sieht meine Tätigkeit genau aus?

Ursprünglich war ich in anderen Projekten, doch es hat sich herausgestellt, dass ich woanders mehr gebraucht werde und mir die Arbeit mehr Spaß macht. So habe ich schnell das Gesundheitsprojekt abgegeben, was vielleicht etwas absurd klingt, da ich Rettungsassistentin bin. Doch in den zwei Vormittagen pro Woche, die ich dort verbracht habe, konnte ich mich nicht so in das Team einbringen, wie ich es mir gewünscht hätte.
Deshalb arbeite ich jetzt jeden Vormittag in der Hausaufgabenbetreuung im CENIT-Hauptgebäude. Nachmittags bin ich auf dem Markt San Roque und zusammen mit meiner Mitfreiwilligen betreuen wir die indigenen Kinder bei den Hausaufgaben.

  • In CEA Camal verbringen die Kinder vier Sunden von 8:30 bis 12:30 Uhr, bevor sie nachmittags in die Schule gehen. Die Aufgabe der Freiwilligen ist es, den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, sie zu fördern und mit ihnen zu spielen. Um 9:30 Uhr gibt es immer einen kleinen Snack, der aus einem Apfel, Ei oder einem Käsebrot besteht, meist mit Saft. Danach wird weitergetobt, bis um 11:00 die CENIT-Bibliothek öffnet, wo gepuzzelt, gelesen und gebastelt werden kann. Nach einer Stunde schließt dann das Mittagessen den Vormittag ab. Montags haben die Meisten keine Hausaufgaben auf, sodass wir sportliche Aktivitäten machen und Kreisspiele spielen, wie Knotenmutter oder Obstsalat. Mittwochs gibt es eine Unterrichtsstunde zum Thema Werte und Normen, die von einer freiwilligen Lehrerin abgehalten wird. Es wird begeistert gebastelt und weniger gerne aufgeräumt, doch Lob von den Freiwilligen bedeutet den Kindern sehr viel. Ausflüge zum Park oder ins Museum dürfen auch nicht fehlen und sie sind sehr stolz, wenn sie die Hand eines Freiwilligen beim Spaziergang halten dürfen. So viele Hände wie Kinder gibt es gar nicht!
  • Die Arbeit in San Roque von 14.00 bis 16:00 unterscheidet sich nicht wesentlich von der morgens. Da aber auf San Roque viele Indigene leben, ist die Mentalität anders. Mir kommen die Kinder hilfsbedürftiger und dankbarer vor. So kommt es oft vor, dass auf dem Nach-Hause-Weg Kinder „Profe“ (Abkürzung für Profesora) rufen, damit wir ihnen zuwinken. Toben und kuscheln darf auch beim Hausaufgaben machen nicht fehlen. Mittwochs basteln wir zur Zeit Masken mit Kleister – eine riesige spaßige Matscherei! Freitags gibt es keine Hausaufgaben, sodass wir in den Park gehen und dort Fußball spielen. Manchmal kommt auch ein Fußballtrainer vorbei

 

Besonders in San Roque bekommen wir immer mehr Verantwortug, sodass es vorkommen kann, dass wir zu zweit mit 26 Kindern sind. Einige müssen viele Hausaufgaben machen, andere haben keine auf, andere sind noch zu klein, als das sie zur Schule gehen. Ab und an kommt zusätzlich ein blindes Mädchen. Alle fordern unsere Aufmerksamkeit und wollen beschäftigt werden, das treibt uns manchmal ans Ende unserer Kräfte. Trotzdem haben wir alle zusammen viel Spaß!

Um einen Ausgleich zur Arbeit zu haben, gehen wir zweimal die Woche zum Sport im Kulturzentrum Cumanda. Ein riesiges modernes Sportzentrum, in dem auch Schwimmbäder sind und Konzerte stattfinden. Dort wird kostenlos Bailoterapia angeboten, was eine Art Gymnastik ist. Bisher habe ich Aerobic und GAP (Übungen für Bauch, Beine und Po) ausprobiert und ordentlich Muskelkater gehabt. Wenn ich wieder in Deutschland bin, werde ich aufgrund des Höhenunterschiedes fit wie ein Turnschuh sein!

Bis zum nächsten Mal,

eure Anna

 

Fünf Affen rasen durch den Wald

Ich geh im Urwald für mich hin…
Wie schön, dass ich im Urwald bin:
Man kann hier noch so lange wandern,
ein Urbaum steht neben dem andern.
Und an den Bäumen Blatt für Blatt,
hängt Urlaub; schön, dass man ihn hat!
Heinz Erhardt

 

Mittwoch um 3:oo Uhr in der Frühe ging es los. Auf in den Regenwald! Auf nach Cuyabeno im Osten Ecuadors!
Fünf Stunden kurvenreiche Fahrt später kamen wir erschöpft und übermüdet im feucht-schwülen Lago Agrio an. An diesem ersten Treffpunkt wurden wir mit einem leckeren Frühstück empfangen und konnten die ersten Impressionen des Oriente sammeln: große Käfer, kleine Affen und ein gewaltiges Gewitter. Danach ging es mit dem Jeep zweieinhalb Stunden tiefer in das Naturreservat Cuyabeno hinein. Schon weit entfernt von der Zivilisation begann erst am zweiten Treffpunkt die eigentliche Reise in den Dschungel. Mit einem Motorkanu ging es den Río Cuyabeno entlang zur Lodge, während wir auf der Fahrt Affen und exotische Vögel bestaunen konnten.

Nach der kurzen Besichtigung unseres kleinen, einfachen, gemütlichen Zimmers machten wir schon unseren ersten Ausflug. Bewaffnet mit Moskitospray und Gummistiefeln fuhren wir auf dem Fluss zur großen Lagune. Auf dem Weg dorthin konnten wir zum ersten Mal Flussdelfine bestaunen. Diese besonderen Süßwasserdelfine verändern ihre Farbe von grau-bläulich zu rosa, je nachdem wie warm das Wasser ist. In der großen Lagune beeindruckten mich am meisten die mitten im Wasser stehenden Bäume. In einem dieser Bäume wohnte eine große Anakonda. Zwar konnte man nur einen Teil des Körpers erkennen, doch die Farbenpracht der Schlangenhaut war wunderschön. Während des spektakulären Sonnenuntergangs sind Elena und ich in der Mitte der Lagune schwimmen gegangen, da nur am Rand in der Nähe des Ufers beziehungsweise der Bäume gefährliche Tiere leben. Das Wasser war unglaublich warm und angenehm nach diesem langen Tag! Doch der eigentliche Ausflug begann erst nach Sonnenuntergang: eine Nachtwanderung durch den Regenwald. Ein faszinierendes und beängstigendes Ereignis, denn handtellergroße Spinnen in allen Farben, riesige Zikaden, Motten und Moskitos sind nicht so mein Ding. Besonders Ida hat es mit 47 Mückenstichen trotz Mückenspray schwer getroffen. Angeblich soll es hier im Dschungel jedoch kein Malaria geben. Glück gehabt!

Die Erkenntnisse des ersten Tages waren,…

… dass der Dschungel eine sehr lebensfeindliche Gegend ist.
… dass egal, wie viele Krabbeltiere im Zimmer sind, das ein Bett mit Moskitonetz die reinste, sicherste Wohlfühloase ist.
… dass die Luft und die Geräusche im Regenwald unglaublich reinigend und beruhigend sind.

 

Nach einem sehr leckeren Frühstück mit Tortillas, Brot und Müsli brachen wir zur einer weiteren Wanderung im Dschungel auf – diesmal bei Tageslicht. Auf der Kanufahrt dorthin konnten wir wieder Delfine sichten (sehen ihren Artgenossen – den Salzwasserdelfinen- kaum ähnlich) . Angekommen am Ausgangspunkt der Wanderung stiefelten wir sofort ausgerüstet mit Gummisiefeln, Mückenspray, Wasserflasche und Sonnenhut los. Zunächst mussten wir uns alle an die feuchte Wärme gewöhnen, durch die man sofort zu schwitzen anfing. Auf dem Weg durch den Dschungel konnten wir verschiedene Palmenarten und unglaublich große Bäume sehen. Hin und wieder war an einem Baumstamm ein riesiges Termitennest zu finden. Als es plötzlich Blätter regnete, hatten wir schnell die Verursacher entdeckt: zwei Affen sprangen hoch über unseren Köpfen von Baum zu Baum. Wir konnten sie eine ganze Weile beobachten, bevor sie weitergeklettert waren. Um es den Affen gleich zu tun, konnten wir danach an einer Liane schwingen. Der lustigste Part der Wanderung wartete allerdings noch auf uns. Die ganze Gruppe schaute ungläubig, als unser Guide uns erklärte, dass wir durch einen Sumpf wandern würden. Nicht wandern, sondern viel mehr waten. Mit dem Fuß wurde der Boden auf seine Stabilität abgeklopft und auf die sicherste Stelle gesetzt, dann kam der andere Fuß. Für die 70 Meter Sumpf brauchten wir fast so lange, wie für den anderen Teil der Wanderung! Der Sumpf war etwa knietief, so hoch wie unsere Gummistiefel. Doch an manchen Stellen war er deutlich tiefer, wie jeder von uns feststellen musste. Einige standen bis zur Hüfte im Schlamm!
Nach dieser schlammigen Angelegenheit ging es in die große Lagune zum Klamotten waschen und schwimmen.

Die Mittagspause in der Hängematte war sehr erholsam, bevor wir abends mit dem Kanu aufbrachen, um in der Dunkelheit Kaimane zu suchen. Leider war die Suche nicht sehr erfolgreich: wir konnten lediglich die Augen und Schatten sehen.
Müde ging es in die Lodge zurück, wo wir zum ersten Mal die hauseigene Tarantel zu Gesicht bekamen. Die wohnte in einer Baumhöhle und kam nur nachts heraus.

 

Erkenntnis des zweiten Tages:
– Man gewöhnt sich schnell an krabbelige Besucher.

 

Am dritten Tag ging es um 6:oo Uhr früh mit dem Kanu auf die Suche nach Vögeln durch den nebelverhangenen Regenwald. Viele bekamen wir nicht zu Gesicht und nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von dem Rest der Gruppe, die nun ihre Rückreise antreten würden. Für uns fünf ging es tiefer in den Dschungel hinein zu einem indigen Dorf der Siona. Dort zeigte uns eine örtliche Frau wie man Yuka-Brot “Casabe” herstellt, das wir später mit Thunfisch oder Marmelade zusammen aßen. Zunächst muss man die Wurzeln schälen und waschen, um sie dann zu zerreiben. Das Yuka-Mus wird dann solange gepresst, bis das gesamte Wasser heraus ist. Das entstandene Mehl wird anschließend gesiebt und in einer heißen Keramik-Pfanne zu Fladen gebacken.
Nach diesem Erlebnis ging es in ein anderes Dorf, um dort mit dem Schamanen zu reden. Ein Schamane ist der Arzt und Ansprechpartner für Probleme der Menschen im Regenwald. Mithilfe von Ayahuasca, einem aus einer Liane gewonnenen halluzinogenen Pflanzensud, erhält der Schamane Visionen, kann in andere Welten tauchen und Antworten, sowie Möglichkeiten zur Heilung finden.
Nach dem interessanten Gespräch ging es über die Dorf-Bananenplantage zu einem der größten Bäume von Cuyabeno. Bewachsen mit vielen anderen Pflanzen und durch die gigantischen Falten des Stammes bietet dieser Baum Hunderten von Tieren Schutz und Lebensraum. Er erinnerte mich etwas an den Avatar-Baum.

Abends konnten wir eine Anakonda beim Sonnen betrachten, bevor sie ins Wasser glitt und verschwand, was uns etwas beunruhigte. Trotzdem genossen wir den Sonnenuntergang und schwammen wieder in der Lagune.

 

Erkenntnis des Tages:
– Die indigene Lebensweise ist raffiniert und sehr bewusst.

 

An unserem heißesten Tag sind wir mit einem kleinen Kanu, bei dem wir alle paddeln mussten, zu unserem ruhigsten Ausflug aufgebrochen. Über einen zugewachsenen Arm des Cuyabeno-Flusses paddelten wir zu einer versteckten kleineren Lagune. Am Anfang war es ganz schön schwierig das Gleichgewicht zu halten, doch die unzähligen Piranhas, die hier vertreten sind, waren Ansporn genug. Heil in der Lagune angekommen angelte unser Guide mit Kuhfleisch einen Piranha und demonstrierte uns die Stärke des Gebisses! Das Fleisch des Piranhas nutzten wir, um für das Mittagsessen andere Fische zu fangen. Und während unser Guide fischte, genossen wir die Natur, die Wärme und die Geräusche. Singend machten wir uns auf den Rückweg zur Lodge, wurden jedoch auf dem letzten Stück von einem Motorkanu mitgenommen.

Zum Abschluss des letzten Tages unternahmen wir nochmal einen Ausflug zur großen Lagune. Auf dem Weg konnten wir noch einige neue exotische Tiere sehen: einen Tukan, ein Zwei-Finger-Faultier, ein Drei-Finger-Faultier, eine kleine Boa und einen Kaiman, der entwischte, als der Guide versuchte, ihn aus dem Wasser zu ziehen.

 

Mein Regenwald-Erkenntnisse:
– Die Tage im Dschungel ohne Internet waren befreiend und unglaublich entspannend.
– Man verschwendet weniger Gedanken an gesellschaftliche Zwänge und Regeln, sondern genießt einfach die Natur und das Abenteuer.

 

Auf dem Rückweg in die Zivilation packte uns die Wehmut. Der Abschied vom warmen, aufregenden, beeindruckenden, ruhigen Regenwald fiel uns schwer. Die fünf Tage im Dschungel waren ein unglaubliches Erlebnis, das ich für immer in Erinnerung behalten werde, und es war bestimmt nicht mein letztes Mal im Dschungel.

Liebe Grüße,

eure Anna

 

Baños – Abenteuer am Fuße des Tungurahua

Am Montag, den 9.Oktober, wurde die Unabhängigkeit Guayaquils gefeiert, der größten Stadt Ecuadors. Deswegen hatten wir frei und haben das verlängerte Wochenende für einen Kurztrip ins circa 3,5 Stunden entfernte Baños genutzt. Baños ist eine Stadt am Fuße des sehr aktiven Vulkans Tungurahuas und liegt auf dem Weg nach Amazonien. Außerdem ist die Stadt eine der wichtigsten ecuadorianischen Wallfahrtsorte mit schwefelhaltigen heißen Thermalquellen.

Tag 1: Höher – Schneller – Weiter

Über eine Schlucht zu fliegen stand zwar nicht auf meiner Bucketliste, kann ich aber jetzt als abgehakt betrachten. Unter Canopying versteht man das Hinüberfliegen an einer Seilrutsche über die Baumwipfel oder eine Schlucht.

Nach dieser adrenalinreichen Aktion haben wir den Wasserfall “Pailón de Diabolo” besichtigt, der größte von ganz vielen in dieser Gegend.

Auf dem Weg zu der nächsten wunderschönen Besichtigungsstätte wurden wir Zeuge von einem Autounfall direkt vor uns. Wir wurden von einem Fahrzeug überholt, dessen Fahrer nicht gesehen hatte, dass etwa hundert Meter vor uns ein Auto abbog. Der Überholer rammte den Abbieger mit dem linken vorderen Kotflügel am Heck, sodass der abbiegende Fahrer die Kontrolle verlor und auf den Parkplatz schlitterte. Durch die Wucht kippte das Fahrzeug auf die Seite und der Mann, der hinten auf der Ladefläche saß, wurde herausgeschleudert.
Wir hielten sofort an und riefen Polizei und Rettungsdienst, während ich den Mann untersuchte. Ich war erstaunt, wie schnell und mühelos ich in den Rettungsdienstmodus geglitten bin. Bis auf Schmerzen im linken Arm, habe ich nur eine kleine Wunde am Fuß feststellen können. Es war interessant festzustellen, dass der ecuadorianische Rettungsdienst auf ähnliche Weise vorgeht, wie ich es gelernt habe.

Nach diesem Schrecken sind wir zu einem paradiesischen Ort gefahren, den selbst wenige Einheimische kennen. Sehr idyllisch an einem Fluss gelegen können hier Forellen aus verschiedenen Teichen geangelt werden und im angeschlossenen Restaurant werden sie sogleich gegrillt und serviert.

Obwohl ich gerne Fleisch und Fisch esse, fiel es mir doch unglaublich schwer, einen der kleinen Fische zu angeln und anschließend zu töten. Es ist etwas ganz anderes selbst Hand anzulegen, als fertigen Fisch im Supermarkt zu kaufen!

Zum Abschluss des Tages sind wir zum Casa de Arbol gefahren. Ursprünglich hat ein Vater für seine Kinder das Baumhaus mit der Schaukel am Rande der Klippe gebaut. Mittlerweile ist diese Attraktion ein Touristenmagnet und sehr kommerziell geworden. Trotzdem war es ein Vergnügen, in die Nacht zuschaukeln. (Aufgrund der Dunkelheit gibt es keine Fotos.)

 

Tag 2: Entspannung im Dschungel

Ziel des heutigen Ausfluges war die kleine Stadt Puyo im Oriente. Auf dem Weg dorthin haben wir einen kleinen Abstecher in ein Naturschwimmbad gemacht. Da uns das gestaute Flusswasser dort aber zu bakterienhaltig schien, sind wir ein Stückchen durch das Dickicht zu einem weiteren Fluss gelaufen. Als einzige Besucher konnten wir hier das sprudelnde klare Wasser genießen.

 

Nach dem Badevergnügen ging es dann nach Puyo. Dort haben wir nicht nur die Natur genießen, sondern auch unbekannte Snacks probieren können.

Die Maden schmecken übringens ein bisschen wie gegrillte Hühnchenhaut.

Abends sind wir noch in ein Café und in die Salsabar gegangen. Alle waren sehr geduldig mit uns und haben uns die Tänze Bachacha sowie ein bisschen Salsa beigebracht. Es war ziemlich lustig!

 

Tag 3: Wasseraction

Am letzten Tag haben wir unser Schicksal nochmal beim Raften herausgefordert. Auf Versicherung der Rafting-Guides, dass normalerweise niemand unfreiwillig ins Wasser fällt, und nach zahlreichen Rettungsübungen, falls doch etwas passiert, stiegen wir ins Boot und paddelten auf den Fluss hinaus. Bei der ersten Stromschnelle erwischte es mich dann und ich purzelte rücklings ins Wasser. Ich wurde unter das Boot gewirbelt und kam auf der anderen Seite hervor. Es hat etwas länger gedauert bis ich dann gerettet werden konnte, weil das Boot aufgrund der Strömung zu kentern drohte.
Nach einer kurzen Erholungs- und Verschnaufspause im ruhigen Gewässer ging es dann rasant weiter und wir hatten viel Spaß. Unfreiwillig ist niemand mehr ins Wasser gegangen!

Es war ein wunderschönes Wochenende, das viel zu schnell vorbei war! Lauter Erlebnisse und Abenteuer, die ich nicht mehr vergessen werde!

Liebe Grüße und bis bald,

eure Anna

Über den Wolken

Am Samstag waren wir bei unserer “Gastfamilie”, die mit uns auch schon in Otavalo war, und haben gemeinsam gekocht. Es gab ein traditionelles lateinamerikanisches Gericht: Ceviche. Das ist Fisch in Zitronensoße mariniert, Garnelen in einer Tomaten-Zitronen-Soße, Zwiebelringen in Zitronensaft und Tomaten. Alles wird kalt zusammen gegessen und dazu gibt es Chifles -salzige Bananenchips- oder salziges Popkorn. Zum Nachtisch gab es selbstgebackene Kekse mit Haferflocken und Schokolade, Eis und Brombeeren. Alles war sehr köstlich!

Nach dem leckeren Essen sind wir zum Pululahua-Krater gefahren, dessen Boden zum Teil besiedelt ist. Leider haben wir aufgrund der vielen Wolken nichts gesehen.

Die Kraxelei auf den Ruku Pinchincha

Der hauseigene Vulkan von Quito ist der Pinchincha, der zwei Gipfel hat: Ruku und Guagua. Wir haben den 4690m hohen Ruku Pinchincha heute bezwungen und sind bis an den Kraterrand gestiegen und geklettert. Die ersten 800m haben wir mit einer Seilbahn, dem TelefériQo, zurückgelegt, der uns auf circa 4100m Höhe brachte. Von dort konnte man schon eine tolle Aussicht auf Quito und die umliegenden Berge und Vulkane genießen.

Doch das war uns nicht genug! Wir wollten das krasse Wandererlebnis! Jeden einzelnen Schritt der 14km bis zum Gipfel haben wir in unseren Beinen und Lungen gespürt. Die Höhe hat uns sehr zu schaffen gemacht, sodass wir beim Aufstieg oft Pausen machen mussten. Bei einer dieser Pausen haben wir eine Wandergemeinschaften mit Freiwilligen aus Amerika geschlossen. Zusammen sind wir bis zum Gipfel geklettert und haben uns später gemeinsam auf den Rückweg gemacht, der wirklich viel einfacher zu bewältigen war!

Auf dem Gipfel!!

Der anschließende Abstieg forderte noch einiges an Kraft und Mut! Aber als wir unten ankamen, waren wir superstolz, es geschafft zu haben!!

 

Liebe Grüße aus luftiger Höhe,

eure Anna

 

Die erste Woche bei CENIT

Seit einer Woche sind wir nun Teil der CENIT-Gemeinschaft und lernen unsere Projekte kennen. Da jeder in unterschiedlichen Projekten arbeitet, machen wir auch verschiedene Erfahrungen und berichten abends beim gemeinsamen Essen von unseren Erlebnissen.
Ich arbeite im Gesundheitsprogramm und im Centro de Apoyo Escolar (CEA). Die Arbeitszeiten sind ziemlich entspannt von 8:30 Uhr bis 16:00 Uhr.

Montag – Salud (Gesundheitsprogramm)
Dienstag – CEA (Hausaufgabenbetreuung)
Mittwoch – CEA
Donnerstag – Salud
Freitag – CEA

Im Gesundheitsprogramm soll eigentlich die Grundversorgung der Kinder und ihrer Familien hergestellt werden. Da aber kein Arzt vorhanden ist, wird mit einer nahegelegenen Arztpraxis kooperiert. Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und kleinere Wunden werden von dem Gesundheitsteam versorgt. Für alles, was schlimmer und ernster ist, oder die Zähne betrifft, werden Arzttermine gemacht, zu denen die Patienten auch teilweise begleitet werden. Hinzu kommt die jährliche Registrierung der Kinder mit Name, Alter, Gewicht und Größe, außerdem werden ab und an alle Kinder auf Läuse untersucht.
Zurzeit ist leider die Hauptverantwortliche für den Gesundheitsbereich im Urlaub. Nur die weiß, wie alles läuft und was getan werden muss, sodass wir nur spärlich eingearbeitet werden konnten. Deshalb ist es diese Woche auch ziemlich langweilig gewesen. Dabei würde ich gerne den ganzen Erste-Hilfe-Raum auf den Kopf stellen: aufräumen, desinfizieren, neuordnen, die Akten sortieren und den Raum verschönern. Außerdem finde ich es wichtig, die Kinder über die richtige Ernährung, Hygiene und Sexualität aufzuklären. Es ist nämlich üblich in Ecuador, alles zu süßen, mehrere Grundnahrungsmittel zusammen zu essen (zum Beispiel gibt es zu Reis Kartoffeln) und übergroße Portionen zu servieren. Die Anzahl der Teenager-Schwangerschaften ist auch extrem hoch.
Hoffentlich werden wir nächste Woche mehr zu tun haben und etwas bewirken können.

CEA wird unterteilt in vormittags und nachmittags, denn manche Schulen sind in Ecuador nachmittags. Wenn die Kinder morgens kommen, werden zuerst Hausaufgaben gemacht, um danach zu spielen: meistens Yenga, Früchte-Bingo, Seilchen springen oder Twister. Um 9:30 Uhr gibt es dann einen kleinen Snack, der aus Obst, süßen Joghurt oder einem hartgekochten Ei und Kuchen besteht. Nach dem Händewaschen wird dann wieder gespielt und um 11:00 Uhr gehen alle in die Bibliothek. Das macht den Kindern unglaublich viel Spaß, denn dort gibt es Kuscheltiere (die Bewohner der Bibliothek), die von ihnen, die zu Hause keine besitzen, heftig gekuschelt werden. Für die Bücher interessieren sich die Kinder nicht so sehr, dafür puzzeln sie umso lieber, spielen Schach oder versuchen den Zauberwürfel zu lösen. Vor dem Mittagessen um 12:00 Uhr wird gebetet und das Vater unser gesprochen. Beim Essen ist es wichtig, darauf zu achten, dass alle Kinder ordentlich, mit guten Tischmanieren und alles aufessen. Danach spült jeder sein Geschirr ab, weil es wiederverwendet wird, und die Kinder gehen in die Schule.
Während die Nachmittagskinder von CEA langsam eintrudeln und zu Mittag essen, haben wir Freiwilligen Pause. Die brauchen wir auch, denn nachmittags kommen doppelt so viele Kinder wie morgens und sie sind um einiges lauter, frecher und undisziplinierter. Bei ihnen wird die Betreuung zur Geduldsprobe! Manche lachen mich sogar aus, wenn ich versuche, mit meinem brüchigen Spanisch für Ordnung zu sorgen. Die Nachmittagskinder sind etwas älter und haben deswegen auch kompliziertere und viele Hausaufgaben auf, welche ich manchmal nicht verstehe. Sind einige Kinder fertig, dürfen sie an drei Nachmittagen in der Woche auch in die Bibliothek. Unter der Woche gibt es viele Hausaufgaben zu erledigen, doch Freitags haben die Kinder meistens nichts auf, sodass wir uns spezielles Programm für sie überlegen. Ab nächster Woche wird eine Gruppe von Kindern ein Lied einstudieren, eine andere wird über Ernährung aufgeklärt und die letzte macht mit Valentina und mir sportliche Spiele. Ich bin gespannt, in wie weit das klappen wird!

Ich habe mich noch nicht entschieden, ob es mir richtig gut gefällt oder ich es okay finde. CENIT hat unglaubliche viele Regeln und Dokumente, die man unterschreiben soll, aber insgesamt ist es ein totales Chaos. Die eine Hand weiß nicht, was die andere tut. Es gibt richtig gute Ansätze und viel Potenzial, aber es wird kaum etwas genutzt. Viele Sachen gehen unter, da sie im Alltag und bei der Arbeit übersehen werden. CENIT ist für die Kinder eine Auffangstation und ein Anker, denn die meisten erfahren Gewalt und Missbrauch in der Familie, hygienische Missstände, Leben auf engstem Raum und Vernachlässigung, was teilweise auf die schreckliche Armut mancher Familien zurückzuführen ist. Leider glaube ich nicht, dass die Kinder daraus ausbrechen werden. Dafür haben sie zu wenig Unterstützung, Motivation und Vorbilder. Die Hausaufgabenunterstützung bietet einen guten Versuch, den verbreiteten Schulabbruch zu vermindern. Allerdings könnte man noch viel mehr aus der Zeit mit den Kindern machen. Viele Freiwillige können fließend Englisch sprechen oder sind Muttersprachler, die mühelos den Kindern Englisch beibringen können. Dadurch hätten sie auch später bessere Berufschancen. Manche Freiwilligen sind studiert und könnten ihr Wissen sehr gut an Kinder, Lehrer oder den Eltern weitergeben.
Ich hoffe sehr, dass wir es schaffen, in dem einen Jahr etwas verändern und bewegen zu können. Nicht nur in dem Leben der Kinder, sondern auch in den Strukturen von CENIT.

Bis bald,
eure Anna

In der Mitte der Welt und unter den Indianern…

Nachdem wir die letzte Woche Einführung bei unserer Organisation CENIT – Centro Integral de la Niñez y Adolescencia hatten, bei der wir viel über die Geschichte der Organisation, Kinderarbeit in Ecuador, Teamwork, die Sicherheit beim Arbeiten, unsere Arbeitsplätze San Roque und Camal, sowie CENIT Norte und CENIT Sur und die Projekte, in denen wir arbeiten können, erfahren haben, haben wir heute einen Ausflug gemacht.

Mit ecuadorianischen Freunden einer Mitfreiwilligen sind wir heute allesamt in einem Auto mit elf Sitzen von Quito nach Otavalo gefahren. In Otavalo findet Samstags der größte indigene Markt Südamerikas statt. Auf der Panamericana Norte fuhren wir durch die Anden:

Am wahren Mitad del Mundo legten wir einen Zwischenstop ein. Dort befindet sich eine riesige Sonnenuhr.

In Otavalo auf dem Markt konnten wir uns gar nicht satt sehen an der Farbenpracht und den vielen dargebotenen Gegenständen: von traditionellen Blusen, über Schals, Pullover, Decken und Ponchos aus Alpaka-Wolle, bis zu selbstgemachten Schmuck und bemalten Geschirr. Viele Frauen trugen die wunderschöne, traditionelle Tracht der Indigenen.

Ich habe mir eine Hose und einen Schal gekauft. Ein Verkäufer aus Amazonien, der selber Schmuck herstellt, habe ich als Geschenk einen Ring angefertigt bekommen, der aus einer Blume aus Draht als Zeichen des Glücks besteht.

Zum Abschluss sind wir in einem Restaurant essen gegangen, in dem es typisch ecuadorianische Speisen gab. Ich weiß zwar nicht mehr, wie man die Speisen nennt, aber es hat gut geschmeckt.

Der Tag war dank der Freunde meiner Mitfreiwilligen ein voller Erfolg. Der Markt hat mir so gut gefallen, dass ich auf jeden Fall nochmal dorthin fahren möchte. Ich habe noch viele Dinge auf meiner Einkaufsliste stehen!

 

Bis bald,

eure Anna

 

Das Abenteuer beginnt…

Seit Samstagnachmittag befinde ich mich im weit entfernten Ecuador.

Die Ankunft

Morgens um 5:00 bin ich aufgestanden, hab mein letztes Körnerbrot gefrühstückt und meine letzten Sachen zusammengerafft. Um 6:00 hieß es dann Abschied nehmen von Zuhause und meinem süßen Hund James und gemeinsam sind wir dann zum Flughafen Düsseldorf gefahren.  Obwohl ich mir schon vorher Sorgen wegen des Gewichts meiner Koffer gemacht habe, sind sie mit 23,9kg und 20kg durchgekommen.  Vor der Sicherheitskontrolle habe ich mich dann von der besten aller Familien verabschiedet. Nach langem Schlange stehen, bin ich durch den Sicherheitscheck und musste prompt meine Schuhe ausziehen (ich hatte meine Wanderstiefel an).  Nachdem diese durchleuchtet worden sind, wurde ich entlassen und musste mich schnell auf dem Weg zum Gate machen, da die ganze Kontrolle ziemlich zeitintensiv war. Im Flugzeug saß ich neben einem freundlichen Herrn, mit dem ich mich sehr nett unterhalten habe, wodurch ich mich gut von meiner Aufregung und Anspannung ablenken konnte. Von Düsseldorf bin ich etwa 45 Minuten nach Amsterdam geflogen. Dort hatte ich eine Umsteigezeit von 50 Minuten, bis mein Flieger nach Quito starten würde.
In Windeseile bin ich durch den ganzen Flughafen in Amsterdam gerannt: Von Gate B32 bis F05! Das war bestimmt ein Kilometer! Außer Atem erreichte ich rechtzeitig das Gate und traf dort auf meine Mitfreiwilligen Elena, Ida, Valli und Paul. Zu fünft fühlte es sich schon besser an, als alleine nach Quito zu reisen. Beim Online-Check-In hatte ich mir einen Fensterplatz ausgesucht und hinter mir saßen jeweils am Fenster Elena und Ida. Dank gutem Entertainmentprogramm, dass von Filmen über Hörbücher und Musik bis hin zu Spielen reichte, ging der Flug recht schnell vorbei. Leider konnten wir nicht viel von unserer neuen Heimat sehen, da ab dem karibischen Meer viele Wolken die Sicht versperrten, wodurch wir auch einige Turbulenzen hatten. Insgesamt war der Flug entspannt, aber als wir endlich in unserer Unterkunft im Centro histórico nach einer wilden Taxifahrt angekommen waren, war ich trotzdem ziemlich müde. Unsere Hausmutter begrüßte uns herzlich und erklärte uns die ersten Dinge, doch nach 10 Minuten konnte ich dem schnellen Spanisch nicht mehr folgen, da ich mich nicht mehr konzentrieren konnte. Valli ist vor lauter Müdigkeit schwindelig geworden, sodass ihr Wasser gereicht wurde. Zu spät haben wir bemerkt, dass es Leitungswasser war, welches man am Anfang auf keinen Fall unabgekocht trinken sollte!

Unsere Unterkunft ist landestypisch mit drei Schlafzimmern, zwei Bädern, einer Küche, die sehr gewöhnungsbedürftig ist, und einem Esszimmer. Wir vier Mädels schlafen in einem Zimmer und Paul teilt sich seins mit einem Vorfreiwillingen und Lisa, einer Deutschen, die ein Praktikum in einem Reisebüro macht. Im letzten Zimmer wohnen eine Venezolanerin und ein Franzose.

Zum Abendessen haben wir alle zusammen Empanadas und Salat gemacht und gemeinsam gegessen. Das war eine schöne Begrüßung!

Danach sind wir totmüde ins Bett gefallen, nachdem wir uns vorher alles, was wir an kuscheligen, dicken Sachen finden konnten, angezogen hatten, weil es so kalt war.

Erster Tag – El centro histórico

Nach unserem etwas kargen Frühstück aus mitgebrachten Sachen – Eierwaffeln und Milchbrötchen – haben  wir mit dem Vorfreiwilligen Niklas einen Stadtrundgang gemacht, damit wir uns grob orientieren konnten. Quito ist voller Gegensätze: wunderschön, doch teilweise sehr verfallen und verwahrlost, arme Straßenverkäufer und schicke Geschäftsleute, unglaubliche Landschaften mit Bergen und Vulkanen und eine riesige Metropole mit viel Lärm, exotische Gerüche und Gestank von Abgasen und Müll. In einer Sekunde ist es super warm und die Sonne scheint und in der nächsten bläst ein eisiger Wind und es ist bitterkalt. Es ist faszinierend und andererseits etwas angsteinflößend. Ich muss mich noch an das quirlige Leben dieser Großstadt gewöhnen. Wir haben imposante Kirchen gesehen, schöne Plätze, süße Gässchen und die zentrale Markthalle, die eine unglaubliche Fülle an Gemüse und Obst bietet. Unappetitlich waren die Fleischstände, die Unmengen ungekühltes Fleisch verkauften. Dafür war der Smoothie (jugo), den wir uns gekauft haben, umso leckerer. Leider habe ich nicht gemerkt, dass darin Eiswürfel waren. Vermutlich habe ich davon später Bauchschmerzen bekommen. Nach gut anderthalb Stunden hatte uns Niklas alle wichtigen Plätze im Centro histórico gezeigt, sodass wir die steile Straße zu unserer Unterkunft hinaufstapften. Jetlag und die Höhe zollten ihren Tribut, da wir nach dieser kurzen Anstrengung schon sehr erschöpft waren.

Am Nachmittag sind wir ausgeruht einkaufen gegangen. Der Supermercado war ein Erlebnis für sich. Sehr klein, voll gestopft bis oben hin ohne irgendein System und unglaublich viele Menschen. Wir hatten uns einen Plan gemacht, was wir alles brauchten, sodass wir zügig wieder gehen konnten. In der WG haben wir dann gemeinsam Nudeln mit Gemüse/Tomatensoße gekocht. Zu spät wurde uns bewusst, dass salsa de tomate keine Tomatesoße ist, sondern Ketchup. Es hat aber trotzdem gut geschmeckt!

Für mich war der Tag nach dem Abendessen dann auch zu Ende. Vollkommen erschöpft bin ich eingeschlafen, während die anderen noch fleißig an ihren Blogeinträgen saßen.

Zweiter Tag – El Panecillo y el barrio Mariscal

Heute haben wir die Stadt zunächst auf eigene Faust entdeckt. Nach einer warmen! Dusche und Frühstück mit Rührei haben wir uns auf den Weg zum Panecillo gemacht. Zunächst sind wir hinunter in die Altstadt gegangen, um dort für 2§ ein Taxi hinauf zu der berühmten Engelsstatue, Virgen de Qiuto genannt, zu nehmen. Der Ausblick war fantastisch, denn die Statue liegt auf dem Panecillo, einem Hügel etwa in der Mitte von Quito. Quito ist unglaublich groß, hauptsächlich wird es jedoch in Nord und Süd eingeteilt. An der Statue kann man sich gut orientieren, denn sieht man das Gesicht, ist man im reicheren Norden, sieht man den Rücken, dann ist man im armen Süden. Allein vom Stadtbild lässt sich dieser Unterschied von dieser Perspektive gut erkennen. Der Norden und besonders el centro histórico ist im Schachbrettmuster aufgebaut. Man sieht pompöse Gebäude und etwas entfernt modernere Hochhäuser. Der Süden ist zusammengewürfelt und man sieht mehr Wellblechdächer.
Obwohl man es nicht sollte, sind wir den Panecillo hinunter in die Altstadt gelaufen. Es war uns etwas mulmig, aber es ist nichts passiert. Als wir unten waren und ein Taxi bis zu unserer Unterkunft nehmen wollten, haben uns eine ältere Ecuadorianerin und ein junger Mann verteidigt, als ein Taxifahrer uns zu viel Geld abknöpfen wollte. Da haben wir dann beschlossen, den restlichen Weg auch noch zu laufen,  wenngleich unsere Beine und Füße schmerzten.

Nach unserer Mittagspause sind wir mit einer Freundin unsere Hausmutter Kathy in das barrio Mariscal gefahren. Die Busfahrt war rasant und kurvig. Allein das Einsteigen ist eine Kunst für sich, man muss nämlich innerhalb von Sekunden aufspringen. Nachdem man 25ct gezahlt hatte, sucht man sich schnell einen Sitzplatz, denn es geht direkt mit vollem Tempo weiter. Hartes Abremsen, riskantes Überholen, ständiges Hupen und um-die Kurve-schlittern ist hier völlig normal. In den Bussen ist es auch völlig normal, dass Leute etwas verkaufen wollen, ihre Waren anpreisen oder für Geld singen. Durchgeschüttelt kamen wir an unserem Ziel an, wo wir unsere Visa bestätigen wollten. Dort haben wir festgestellt, dass das gar nicht mehr notwendig war. Daraufhin haben wir uns eine ecuadorianische Handykarte gekauft, um zu bemerken, dass ein Teil unserer Handys trotzdem nicht mit dem Netz kompatibel ist, aus welchen Gründen auch immer.

Nach dem Abendessen bin ich wieder totmüde ins Bett gefallen und habe trotz Autogehupe, – alarmanlagen und Hundegebell tief und fest geschlafen.

Morgen haben wir unseren ersten Einführungstag, an dem wir unsere Arbeitstelle CENIT kennenlernen.

Bis zum nächsten Mal,

Anna